Die Businesswochen – vom 16.10. bis 3.11.2017

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Volker Siegle (Organisator Businesswochen) im Gespräch mit Dieter Keller (Keller GmbH & Co. KG)

Keller Professionelle Produkte

Herr Keller, in Ihren Premiumsalons bieten Sie Hairstyling, Beratung und Wellness auf höchstem Niveau. Wie leicht oder schwer ist es, das Personal zu finden, das diese Ansprüche selbst verkörpert und in der Folge ausführen kann?
Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden, die mit den Arbeitszeiten in der Friseurbranche zurechtkommen und die eine hohe Weiterbildungsbereitschaft mitbringen. Auch das schlechte Image in Bezug auf das Lohnniveau in der Branche ist ein Grund, weshalb immer weniger junge Leute in diesen schönen Beruf wollen. Das trifft bei uns zwar überhaupt nicht zu, denn unsere Top Stylisten verdienen auch top, aber das ist in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt. Das schlechte Image wird von den vielen Billigfriseuren verbreitet, deren Mitarbeiter logischerweise bei billigen Services auch nur wenig verdienen können.

Welche Rolle spielt dabei der Ausbildungsmarkt?
Wie überall im Handwerk haben auch wir jedes Jahr unbesetzte Ausbildungsstellen. Der Rückgang neu abgeschlossener Ausbildungsverträge hat mehrere Ursachen. Er ist vor allem zurückzuführen auf die demographische Entwicklung und das gesteigerte Interesse am Studieren. Dabei bietet der Ausbildungsmarkt den Jugendlichen so viele Chancen wie nie zuvor. Die gesellschaftliche Wertschätzung der handwerklichen Ausbildung muss wieder erhöht werden und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung muss in den Köpfen ankommen.

Ich nehme an, dass diese Situation in Ihrer Branche vielfach auftritt. Inwieweit werden Sie von den Verbänden, wie zum Beispiel von der Innung oder dem Zentralverband des deutschen Firseurhandwerks unterstützt?
Von den Verbänden und Innungen kommt leider nichts Nennenswertes, bisher konnten sie nichts imageträchtiges initiieren. Hier ist also unsere Eigeninitiative gefragt.

In Spanien, Italien, Kroatien oder Griechenland - Ich nehme an, dass in vielen europäischen Ländern die jungen Menschen froh wären, sie hätten die Möglichkeit, eine solch fundierte Ausbildung zu machen. Werfen Sie einen Blick ins europäische Ausland?
In den Ländern, in denen die Jugendarbeitslosigkeit so hoch ist, sehen wir großes Potential und nehmen bereits in Kooperation mit L’Oréal an dem Förderprogramm MobiPro teil. Das Ganze ist ein Pilotprojekt und wir hoffen, dass es erfolgreich wird. Im September haben wir bereits mit den ersten Azubis aus Italien gestartet und bis jetzt sieht es vielversprechend aus – und wir hoffen, dass die nächsten Projekte mit Griechenland und Spanien ähnlich gut anlaufen.

Bitte beschreiben Sie die "MobiPro"-Kampagne, was steckt dahinter?
Das Sonderprogramm unterstützt junge Menschen aus Europa bei der Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung und bringt sie mit Unternehmen in Deutschland zusammen. Unser Ziel dabei ist, talentierte Friseure zu finden und bei uns zu integrieren. Die Kampagne organisiert Castings in diesen Ländern und trifft eine Auswahl an qualifizierten Bewerbern und Bewerberinnen, die bereit sind, nach Deutschland zu kommen. Sie besuchen bereits vor Ort Sprachkurse, die später in Deutschland weitergeführt werden. Wir suchen dann geeignete Bewerber aus, helfen ihnen eine Wohnung zu finden und bieten ihnen unsere spezielle Ausbildung bei Keller the school, um ihre Fachkenntnisse auf das Keller-Niveau anzupassen.

Was macht die Ausbildung bei Keller the school so besonders?
In unserer hauseigenen Friseurakademie werden jährlich rund 3000 Friseure aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus- und weitergebildet – insbesondere natürlich unsere eigenen Mitarbeiter/innen. Die Seminare sind auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten und decken alle Bereiche des Friseurberufes ab. Eine ganz besondere Schulung stellt dabei unser First Step Intensive Seminar dar: hier gibt es den Inhalt von drei Ausbildungsjahren in nur 24 Wochen. Dank eines einmaligen, von Keller the school entwickelten Trainingskonzepts sind die Auszubildenden danach im Salon sofort voll einsetzbar. Das ist eine tolle Möglichkeit für alle talentierten Azubis, Um- oder Wiedereinsteiger, mehr Spaß an der Arbeit zu haben und schneller mehr Geld zu verdienen.

Es wird in Deutschland in den letzten Wochen, auch im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthemantik, über die deutsche Willkommenskultur gesprochen. Gibt es eine solche für die vielen jungen Menschen aus dem Ausland?
Bei uns sehr gerne, alle talentierten jungen Menschen sind bei uns willkommen. Wir sind bereits in engem Kontakt mit den Behörden und sammeln Informationen, wie wir Flüchtlinge mit dem richtigen Profil bei uns integrieren können. Momentan ist die Situation noch etwas unübersichtlich, aber wir sind guter Dinge, in naher Zukunft Erfolge erzielen zu können. Schließlich wäre das Ganze eine Win-Win-Situation: wir lösen unser Problem des Mitarbeitermangels und helfen gleichzeitig die finanzielle Belastung für den Staat zu minimieren. Wir hoffen also, dass zügig geeignete Programme entwickelt werden, die schnell auf den Weg kommen.

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